Einfach mal zurückschlagen

Vorweg: Die Bilder sind echt. Sie sind Dokument einer erfolgreichen 30 minütigen Arbeit und deren Umsetzung.

Sie stecken fest? An jeder Ecke ein blödes „Aber“, bei jedem Gedanken „Du wirst schon sehen, was Du von Deinen Ideen hast“? Der innere Schweinehund bellt und verheißt Ihnen düstere Zukunft?

Quick-Steps

  1. Suchen Sie sich Menschen, die
  • zuhören, um zu verstehen, statt zu antworten
  • den Mut haben, deren Wahrheit über Ihre Situation zu formulieren.
  1. Meiden Sie Verständnisheischer und Problemverklärer
  2. Wagen Sie Neues nach Anregungen (Tips ohne das Wort „muss“ im Satz) von Menschen, die Ihrem Gefühl nach dem ersten Punkt genügen.

Sie könnten überrascht sein, wie viel Tolles Sie erleben können.

Trio infernale

Furcht, Angst und Panik – drei Stationen auf dem Weg in eine unerfreuliche Lebenssituation.

Panik ist ein wahrlich beschissener Zustand. Herzklopfen, sich wie gelähmt fühlen. Warten, dass sie wieder geht.

Nun ist Panik sicherlich auch ein schnell bemühtes Wort, um auszudrücken, wie groß die Angst ist, die jemand gerade spürt.

Die Grenzen sind wohl fliessend.

Entscheidend ist: Angst und Panik versauen einem den Tag. Der für mich perfide Teil von Angst- und Panikerfahrungen ist, dass der Betroffene in ein Ohnmachtsgefühl gerät. Eine Überforderung, gegen die nichts ausgerichtet werden kann.

Vor kurzem habe ich mit einer jungen Frau telefoniert. Sie strampelt sich gerade frei von Mama und den unguten Erlebnissen in Kindheit und Jugend. Das macht sie großartig und – als Modell – ihr inneres (eigenes) Kind macht gerade richtig Rabatz.

So ein Zuständigkeitswechsel ist für Kinder ja auch blöd. Mama war zwar nicht so toll, aber den Scheiß kennt Kind ja schon. Unglück kann auch eine Komfortzone sein.

Da kommt jetzt auf einmal das – im Modell – erwachsene Ich um die Ecke und sagt: ich übernehm dann mal.

Puuuuuh – ob die das kann? Was die Presse über einen neuen Trainer schreibt und was die Mannschaft davon hält sind zweierlei. Da ist Angst per se nicht die falscheste aller Ausgangsemotionen.

Angst oder Angst vor der Angst?

Wir Menschen sind im Ausgangspunkt vorsichtig. Das ist auch recht schlau. Wer weiß, dass um die Ecke nicht der Säbelzahntiger schon die Serviette umgebunden hat in Vorfreude auf ein leckeres Zweibeiner-Carpaccio, hat eine signifikant längere Lebenserwartung. Deshalb: erst mal um die Ecke luren und nicht mit 1,9 Promille cornern (das heißt so, oder).

Allem, was neu ist, dem Begegnen wir mit Angst. Das ist gesund – solange wir nicht aus Angst vor der Angst das Neue vermeiden.

Wenn ich höre, «ich hatte noch nie mit Anwälten zu tun», dann weiß ich, dass da jemand mindestens Furcht, wenn nicht Angst im Rucksack hat. Diese Anwälte! verbiegen alles, erkennen (Selbst)Lüge und sind so sprachgewaltig – Wahrheitsfindung ist Scheiße, solange sie mich betrifft und nicht verteidigt (lohnt, mal darüber nachzudenken).

Der jungen Frau, die nun gerade in das Eigenverantwortung-Seminar eingetreten ist (umgangssprachlich: das Leben), hat der verhältnismäßig späte Eintritt, die späte Ab-Grenz-ung von den Eltern einen heftigen Eintritt beschert. Die Kleine (im Modell) ist richtig bockig und plärrt jeden Morgen und wenn der Freund was wirklich Liebes macht: «Ich will wieder zurück in mein Unglück, das ist wenigstens verläßlich.»

Nur: Die Frau will lieber Leben, Gestalten, Reisen, Lieben, Vertrauen, Wagen – und die Panik, die alte Runzel, versalzt ihr den Kaffee, jeden Morgen – da kann der Tag nur Scheiße laufen, oder?

Was tun? Probieren wir es doch mal mit der Wahrheit.

Wer unter Panik leidet, ist eine arme Sau – mit Verlaub.

Dem hilft meiner sehr eindeutigen Erfahrung nach wenig, wenn die Panik vermessen, eins bis vierzehntausend mögliche Ursachen betrachtet, beleuchtet und bemitleidet werden.

Wer unter Panik leidet, der will, dass es endet. Dass er den Morgen, die Autofahrt, das Bergsteigen, den Tauchtrip oder eine Flugreise geniessen kann.

Panik überwinden: Sieger eines inneren Konflikts sein

Wenn jemand mit – je nach Modell – inneren Dämonen, verschiedenen Ich-Ebenen, Vergangenheit, Träumen und Wünschen ringt, dann ist das Konflikt. Entweder die Person und ihr Gestaltungswille oder deren Bedürfnis, oder aber die Trägheit/der Dämon/die Angst oder die Panik gewinnt.

Eine Frau findet einen Mann so attraktiv. Er ist so nett. Gerne auch gleichgeschlechtlich oder anders herum hetero. Die Frage ist: Spreche ich ihn/sie an? Was, wenn er/sie Nein sagt – diese Bloßstellung! Die Peinlichkeit! Die Abwertung! Die Bestätigung eigener Wüstenwurmhaftigkeit! Oder: Das erfreute Lächeln! Die Dankbarkeit! Das erfreute Lächeln, weil er/sie sich nicht getraut hat (seit 5 Monaten…)!

Dieser Konflikt findet wo statt? Genau: in Ihnen, in mir, in uns und auch in der jungen Frau.

Jeden Morgen, so wurde mir müde am Telefon berichtet, säuselt die Panik mit dem ersten Augenaufschlag (wie unfair, ohne Kaffee-Vorab!) ihr ins Ohr, was sie alles Unverantwortliches macht mit ihrem Leben, was die Gosse für sie bereit hält an Unglück, Bazillen und ekligen Armutserfahrungen. Jeden Morgen versaut ihr die Panik mit dem verständnisvollen Blick der Schlange Kah den Tag und lockt damit, doch einfach wieder unglücklich zu sein, statt Selbstbestimmung zu wagen.

Der kürzeste Weg zur Lösung ist die Wahrheit!

Ich habe es mir, wie eine unerfreulich geringe Anzahl von Kollegen, zur Angewohnheit gemacht, beim Arbeiten mit Menschen mehr darauf zu vertrauen, was meiner Erfahrung nach und aus einem Querschnitt von Quellen (Lehrer, Bücher, Dokumentationen, Studien) für den Betroffenen wirken kann. Denn ich fühle mich dem Ziel zu Lösen mehr verpflichtet, als der reinen Lehre von Instituten, Kostenträgern oder Konkurrenten. Ich möchte zu denen gehören, die Wahrheit wagen Wahrheit, auf unsere Art.

Erstaunlicherweise führt das in den meisten professionellen Gruppen zu krasser Abwertung und Abweisung. Von <nicht dürfen> über <nicht lege artis> ist alles dabei.

Positive Psychologie? Teufelswerk – so kämen wir da hin? Da könnten die Menschen ja ohne Therapeut auskommen – wie soll der arme Kerl seine Miete zahlen.

Konfrontative oder direktive Elemente, eigene Meinung? Wenn ich höre «Herr Kollege, die Lösung liegt im Problem, der Klient ist die Lösung, Stimulation ist Bevormundung.», dann könnte ich k… meine Marketing-Freunde sagen, ich soll nicht immer schreiben was ich denke.

Die Verweigerung, die in obigem Zitat steckt, halte ich für schlichte Begriffsvergewaltigung ohne Substanz. Quatsch – für mich ist das ganz deutlich eines: Feigheit des Therapeuten – denn alles was zählt ist: Der Klient. Der will morgen leichter durchs Leben kommen. Schaff ich das, als Profi, oder nicht – das ist die Jobdescription.

Das allerschlimmste, was ein Coach, Therapeut, Psychologe, Anwalt, Steuerberater, Unternehmensberater nach der herrschenden Kollegenmeinung heute tun kann scheint zu sein: Eine Wahrheit aussprechen – seine nämlich.

Finden die meisten Kollegen.

Allerdings: Genau das wünschen sich die allermeisten Klienten – wenn ich so höre, warum jemand bei geschätzten Kollegen (s.o.) landet oder auch – Danke – bei mir.

Best of

Die Killerphrase „Keine Wertschätzung“ als das entlarven, was es gerade ist, nämlich der Versuch des Betroffenen, durch Beurteilung des Wahrheit-Aussprechenden zu vermeiden, sich mit seiner Position und seinem Verhalten zu befassen? Ein wagemutiges Unterfangen.

Panik als Gegner, der bezwungen werden muss, gegen den Mann/Frau mal zurückschlagen muss, dem in die Fresse gehört, zu adressieren? Vulgär, nicht zielführend.

Jemanden, der sich als etwas aus der Bahn empfindet und seit Jahr und Tag Familie und Umfeld wie ein schwarzes Loch in seine depressive Situation hineinzieht als therapiebedürftig, einlieferungswürdig und uneinsichtig zu bezeichnen? Himmel und Standesvertretung hilf, der Antichrist der Wertschätzung ist gelandet.

Gegenfrage: WTF?

Oder etwas akademischer: Was wäre, wenn es stimmt? Was wäre, wenn nicht alles, was einem gegen den Strich geht, mangelnde Wertschätzung, sondern das Hinweisen auf einen Irrtum, eine schlichte Meinung ist?

Was wäre, wenn wir einen Konflikt auch im 21. Jahrhundert weder wegräuchern, noch wegverständnissen, noch wir uns wegducken können.

Was wäre, wenn der Konflikt nur zur Ruhe kommt, weil die Parteien erkennen, dass Respekt und Ruhe ökonomischer sind, weil beide Seiten in der Lage sind, ihre (gesunden) Grenzen zu verteidigen?

Wenn die Panik in mir lernt «der wehrt sich», dann ist Ruhe – bislang hat das funktioniert.

Was wäre, wenn das unverhohlene Mitteilen einer professionellen, fundiert gebildeten Einschätzung zwar unangenehm ist, gleichzeitig jedoch eine Donner, der vielleicht im System der armen Schweine, die im Co-Abhängigkeitssystem gefangen sind, gehört wird, das Faß zum Überlaufen und den Betroffenen schließlich in die Einsicht und damit die Therapiefähigkeit bringt?

Das, das wäre blöd. Für die, die sich nicht trauen, die Wahrheit zu sagen und gleichzeitig mit ihrem Rat Geld einfordern, weil das ihre Dienst-Leistung.

Wahrheit – Mut – Lösung

Die junge Frau, die hat im Gespräch, nachdem ich sie gefragt habe, warum sie der Panik nicht einfach mal aufs Maul haut, geantwortet? Nichts – Schweigen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass zum eigenen Kämpferherz keine Verbindung besteht. Gewalt ist ja keine Lösung – der Abgesang auf die Notwehr. Das hab ich ihr gesagt – (meine) Wahrheit.

Ob sie etwas riskieren würde, wurde mit einem klaren Ja beantwortet – Mut.

Und so hat sie der Panik eine Gestalt gegen. Und sie so verächtlich bezeichnet und das auf einem Brett festgehalten, wie es die Panik mit ihr macht, wenn sie ihr allen Selbstwert und alle Freude raubt.

Dann hat ihr Freund das Brett gehalten und diese junge, geplagte Frau hat der Panik so aufs Maul gehauen, dass das die Panik in Gestalt des Brettes zerschlagen hat.

Ergebnis? Die Frau fühlt sich wehrhaft. Sie steht auf. Sie schreit das Schicksal an, wenn es tatsächlich wieder die Panik ist, die sich als wohlgemeinter Ratschlag verkleidet. Sie hat gelernt: Gewalt ist auch: eine Lösung.

Notabene: nie die erste, aber eine, die ultima ratio Lösung muss Gewalt sein dürfen.